Leta Peer

biography

1964
geboren in der Schweiz
1984–1987
Fachklasse für freie Malerei an der Schule für Gestaltung in Basel bei Franz Fedier
1986
Auszeichnung der Presse, Jahresausstellung Bündner Kunstmuseum
1992
Atelier in der Cité International des Art Paris, durch den Kanton Graubünden, CH
Künstlerstipendium des Kunstkredits CH-Basel-Stadt
1994
Förderpreis des Kantons Graubünden, CH
1998
Atelier in Brooklyn, New York, durch die Stifung Giovannina Bazzi-Mengiardi, Scuol, CH
1999
Atelier in Montréal, Kanada, durch die IAAB Christoph Merian Stifung, Basel
2000
International Studio Program Nex York City, USA
2002
Pollock-Krasner Stipendium, New York City, USA
Gastdozentin am Higher Institute for Fine Arts, HISK, Antwerpen
2003
Fresco Art School Florenz
2005 Premi Cultural Paradies, Ftan
Werkbeitrag Audiovision & Multimedia Basel-Stadt und Basel Landschaft
2012
gestorben in der Schweiz

solo exhibitions (selected)

2009
Flurs, Galerie Ruth Leuchter, Düsseldorf
2008
Galerie Martin Weigand, Ettlingen, Karlsruhe
Mirrors, DeltaGalerie und Kunstraum,  Basel
Along with Simon, Galerie Ruth Leuchter, Düsselorf
2007
Fabian & Claude Walter Galerie, Basel – Zurich
2006
Galerie Heinz-Martin Weigand, Ettlingen bei Karlsruhe
2005
Galerie Ruth Leuchter, Düsseldorf
Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Neue Galerie im Höhmannhaus, Katalog
2004
Galerie Heinz-Martin Weigand, Ettlingen
2001
Galerie Haus Schneider, Ettlingen
2002
Isabella Brancolini, Florenz
2000
Art Frankfurt, Galerie Voges & Deisen
1999
Galerie Voges + Partner Frankfurt
1998
Gramercy Art Fair, New York
1996
Kunsthalle Basel (Kat.)
1994
Galerie Luciano Fasciati, Chur, (Kat.)

group exhibitions (selected)

2013–2014
six memos for the next …, Magazin4 – Bregenzer Kunstverein, Bregenz
2012
Then – Karen Irmer und Leta Peer, Zweigstelle Berlin
2010
Wandering Beyond, Galerie Ruth Leuchter, Düsseldorf
The Big World, Fabian & Claude Walter Galerie, Zürich
Gratwanderung, Neuer Kunstverein Aschaffenburg
2009
„Silent Places, Räume der Stille“, H2-Zentrum für Gegenwartskunsst im Glaspalast, Kunstsammlungen und Museen Augsburg
2008
„Lieux de Vie – Places of Life. Memories and Fantasies of Roots“, Abbaye Saint André – Centre d’art contemporain Meymac, F
„Am Nabel der Welt – Kunst aus Graubünden“, Bündner Kunstmuseum, Chur
„Transit Basel – Nairs1 Aktuelle Kunst aus Basel“, Bündner Kunstmuseum, Chur
„Freakish Nature“, Fabian & Claude Walter Galerie, Zürich
„FLOWER POWER“, Galerie Luciano Fasciati, Chur
2007/2008
„Certamen Internacional de Pintura“, Diputación de Castellón, Museo de Bellas Artes de Castellón
2007
„Passion for Art, Mission for Money“, Gallery Lumière, Seoul, Korea
„10PLUS10“, Galerie Marc de Puechredon, Basel
„VANITAS“, Galerie Marc de Puechredon, Basel
2006
„H2 – Die Sammlung“, H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast, Kunstsammlungen und Museen Augsburg
„Mountains“, Galerie Beyeler, Basel
„Landscape“, Galerie Ruth Leuchter, Düsseldorf
2005
„…et le canard était toujours vivant“, Centre d’art contemporain, Meymac, F
2003
„Chambre 305“, Isabella Brancolini artecontemporanea, Florenz
2002
„Der Berg“, Heidelberger Kunstverein
2001
„Ornament und Abstraktion“, Fondation Beyeler
2000
Galerie Luciano Fasciati, Chur
„Transatlantik“, Kunstraum Riehen, CH

Leta Peer, Brigitte Reisz / Wandering beyond/ Birds and Trees 22.10.2010 — 20.11.2010

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Leta Peer Flurs 04.09.2009 — 24.10.2009

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Leta Peer Along with Simon 11.04.2008 — 07.06.2008

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Die Schweizer Künstlerin Leta Peer reflektiert in ihren Malereien und Fotoarbeiten das Verhältnis von Bild und Abbild, Vergegenwärtigung und Idealisierung. Mit wenigen Motiven und anhand subtiler Perspektivwechsel lotet sie Vorstellungen von Identität und Heimat aus und konfrontiert subjektive Erfahrung und objektivierende Maßnahmen.
Ausschließlicher Gegenstand ihrer Malerei seit 1999/2000 ist die Landschaft im Unterengadin, dort wo sie aufgewachsen ist. Leta Peer konzentriert sich auf zwei Sujets, auf die schroffen oder von Schnee umfassten Berggipfel mit ihren Bewölkungen sowie die grünen Felder mit Blüten und Blumen – per se Identifikationstopoi der Schweiz und gleichermaßen mit Idylle und Dramatik, Erzählung und Pathos belegt. Zwischen (identifizierbarem) Porträt und typologischer Erfassung wechseln die An- und Einsichten, zoomen Pflanzen heran und gehen auf überschauenden Abstand zu den Bergen. Sie behaupten körperliche, fast fotografische Präsenz und lösen sich (etwa im Fall der knallroten Blüten) augenblicklich wieder in das Zueinander von Pinselstrichen auf und bleiben, versehen mit einer glänzenden Firnis, künstliches, konstruiertes Gegenüber. Entstanden sind sie in langwieriger malerischer Zuwendung und besonnener Distanznahme.
Leta Peer liefert so das Panorama einer spezifischen Gegend, die sie aller Zivilisation entledigt und als unberührt und Zustand – frei von jeder zeitlichen Bedingtheit – schildert. Sie enthüllt, im Zusammenspiel von Licht, massiver Materialität und entstofflichter Atmosphäre, das Wesen dieser Landschaft. Ihre Malerei untersucht die Frage, inwieweit tradierte, kulturell und begrifflich besetzte Motive heute noch vorurteilsfrei und aktuell wahrgenommen werden können.


Die Auseinandersetzung mit ihren Motiven im Kontext der eigenen Herkunft führt Leta Peer weiterhin zu Fotoarbeiten. Ausgehend von temporären installativen Präsentationen (kleinformatiger) Malereien, die sie fotografisch dokumentiert hat, sind in den letzten Jahren autonome Fotoarbeiten entstanden, die mit digitalen Verfahren eigene Malereien in vorgefundene Situationen integrieren. Die jüngste dieser Bildfolgen steht nun im Zentrum der Ausstellung in der Galerie Ruth Leuchter in Düsseldorf. Die „Mirrors“ bestehen aus fünf mittelformatigen fotografischen Bildern, welche die autonomen Faktizitäten von Innenräumen, kostbaren Bilderrahmen und Malerei – die fünfteilige Serie „Along with Simon“ – als plausible Einheiten zeigen.
Gegeben sind Abbruchszenerien in einem vernutzten Raum. In jedem dieser Räume, die rohe Wände, Rohre, Gestelle und offene Durchgänge kennzeichnen, hängt ein geschwungener Rahmen, in den statt eines Spiegels eine Malerei von Leta Peer eingepasst ist. Die Malereien fangen die Straßen, Häuser, das landschaftliche Umfeld eines Dorfes ein, ganz unspektakulär und im Licht des Tages.
In dieser expliziten Künstlichkeit der Fotografie zwischen Realität und Erfindung erhält alles kompositorische wie auch inhaltliche Bedeutung. Das Zueinander von ruinöser Bescheidenheit, offensiver Präsenz und luxuriösem Moment berührt verschiedene Bereiche öffentlichen und privaten Lebens. Die Setzung eines Innenfeldes im Kontrast zum Außen appelliert an psychische Gestimmtheiten; angesprochen sind Gegenentwürfe. – Aber zu dieser Bildfolge liegt auch ein biographischer Zugang Leta Peers vor. Grundlage der Malereien sind Fotografien ihres verstorbenen Bruders, der die Strecke hin zu seinem Grab im Heimatdorf im Engadin auf diese Weise vorweggenommen hat.
Die Werke von Leta Peer ereignen sich stets aus der Spannung zwischen Privatheit, persönlicher Betroffenheit und allgemeiner visueller Gültigkeit. Mit den tradierten, vermeintlich konventionellen und zu unserer Gesellschaft (deren Flüchtigkeit, Geschwindigkeit, Moden, Codes) gegenläufigen Sujets und unter Einsatz des „klassischen“ Mediums Malerei liefert Leta Peer künstlerische Beiträge von großer Intensität in heutiger Zeit. (th)


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Leta Peer – Flurs
Leta Peer arbeitet als Malerin unter Einbezug der Fotografie – in einem „klassischen“, vorsichtig die Motive abtastenden Sinne, aber mit einem hohen reflektorischen Anspruch, der auf zeitgenössische Weise Verästelungen zwischen privat und allgemein, Vorstellung und faktischer Realität vornimmt. Mit ihrem Werk thematisiert sie Heimat und Identität und schließlich die Verortung des Individuums in seiner Zivilisation. Biographische Erfahrung wird mit der nüchternen Sicht auf die gegebene Wirklichkeit konfrontiert; bildimmanente Verweise und Stimmungen loten das Verhältnis von Objektivität und Subjektivität weiter aus.
Leta Peers Malereien zeigen seit 2000 fast ausschließlich das Tal im schweizerischen Engadin, in welchem sie mit ihrer Familie aufgewachsen ist. Zu sehen sind Landschaftsausschnitte der Bergkuppen wie auch der Wiesen mit ihrer Vegetation, in wechselnden Einstellungen, teils aus der Untersicht und mit einer malerischen Direktheit, bei der sich die Blumen und die nebelverhangenen Felswände aus der Nähe in sinnliche Pinselstriche auflösen. Indem diese Gemälde mit einer Firnis abgeschlossen sind, wird das komplexe Verhältnis von Anziehung und Distanz, Abbild und räumlicher Erinnerung weiter vertieft.
Leta Peer unterläuft absichtsvoll wesentliche Erwartungen, die gemeinhin an das Medium Malerei gestellt werden. Sie vertraut der Landschaft, die unveränderlich fern von menschlichen Eingriffen gegeben ist, und vermittelt sie doch als fragilen Idealzustand. Zeit ist zwar abwesend, findet aber doch in die Bilder – im Tagesablauf, der Beleuchtung und Witterung – Eingang.
Demgegenüber kennzeichnet die Fotoarbeiten eine rigide Sachlichkeit; sie geben (primär vernutzte) Innenräume wieder, die sich selbst überlassen sind, aber in ihrer Einrichtung noch auf die einstigen Bewohner weisen. – Im Laufe der Jahre hat Leta Peer das Verhältnis zwischen den künstlerischen Medien weiter intensiviert und mit digitalen Maßnahmen einzelne Gemälde in die Räume integriert, eingefügt in einen aufwändigen, mithin historischen Rahmen, als seien sie schon immer hier gewesen. Das Gemälde selbst (mit seiner eigenen Sinnlichkeit und Präsenz) hat Leta Peer im Ausstellungsraum zudem installativ zur Fotoarbeit aufgehängt. Die für sich autonomen Arbeiten gehen eine Einheit ein, bei der sich unterschiedliche Ebenen von Künstlichkeit und Natürlichkeit gegenseitig beleuchten, durchdringen und in Frage stellen.
Dies trifft nun auch auf die neueste Werkgruppe zu. Ausgangspunkt bildete das Heimatmuseum Chasa Jaura im schweizerischen Valchava, das in einem erhaltenen historischen Engadinerhaus zeitgenössische Kunst ausstellt. Hier befindet sich das Münstertal mit den Wiesen von Lü. Während sich Leta Peer diesen Außenraum gezielt für ihre Malerei vornahm, dachte sie zunächst nicht weiter an die Innenräume, die sie in der Zeit ihres Aufenthaltes rein dokumentarisch fotografierte. Erst zwei Jahre später fanden die beiden Bildformen, Techniken, mithin „Welten“ bei Leta Peer zusammen.
Exemplarisch steht die Fotoarbeit Flurs Index 2, die das Gemälde Wiesen von Lü (Index 135) integriert. Zu sehen ist eine Schlafkammer, die karg, reduziert auf das Notwendige bleibt, mit einem Bett und einem Spiegel an einer unregelmäßigen kalkigen Wand. Indes verfügen die Gegenstände über schmückende Zierden, die auf handwerkliche Traditionen und damit erlebte Heimatverbundenheit weisen. Der Rahmen enthält nun also den gemalten Landschaftsausschnitt; in ihn sind Stege eingepasst, die vier quer- bzw. längsoblonge Felder des Bildes separieren.
Wie ein Ausblick in eine andere Welt, auch direkt wie ein Fenster oder ein Spiegel, der einen gegenüber liegenden Blick einfängt, verhält sich nun die Darstellung inmitten der Fläche: mit einem blühenden Feld, in dem violette und weiße Blüten und Gräser aufragen, darüber erhebt sich luzid grau-blauer Himmel.
Der Blick nach Außen strahlt noch in das Innen der Kammer. Der Raum selbst wird mit Leben – Farben, Bewegung – erfüllt, das sich bis auf das Interieur (mit der leicht welligen Decke oder den überkreuzenden Pfosten der Bettkante) überträgt. Erinnerung und Vergegenwärtigung, Innehalten und mentale Aktivität finden zugleich statt.
Die Schweizer Künstlerin Leta Peer leistet mit derartigen Arbeiten, die Ausdruck einer erlebten, konsequenten Spurensuche sind, eine immense Gedächtnisarbeit. Mit konzeptuellem Kalkül, handwerklicher Souveränität und im Vertrauen auf die „einfachen“ Dinge des Lebens, verhilft sie scheinbar verbrauchten Sujets zu eigener Tiefe, Aktualität und schärft für ihre Bewusstwerdung. Auf eindringliche, in der zeitgenössischen Kunst einzigartige Weise geht sie den Dingen, die unsere Welt zusammenhalten, auf den Grund.
(Dr. Thomas Hirsch
Herbert-Weisenburger-Stiftung)

Leta Peer – Flurs
Leta Peer is a painter who also makes use of photography - in a "classical" sense, gently exploring her motifs, but commanding a high level of reflexion which, in a contemporary fashion, interweaves private and communal, imagination and factual reality. With this work she thematises home and identity and eventually the placing of an individual in their civilisation. Biographic experience is confronted with a sober view of the given reality; references and moods inherent in the picture sound out the relationship between objectivity and subjectivity even further.
Since 2000 Leta Peer's paintings have almost exclusively portrayed the Engadin valley in Switzerland where she grew up surrounded by her family. We see landscape extracts, mountain tops, and meadows with their vegetation, from various angles, sometimes seen from below and with a picturesque immediacy where, from up close, the flowers and the rock faces shrouded in mist dissolve into sensual brush strokes. These paintings are sealed with varnish, which further intensifies the complex relationship between attraction and distance, depiction and spatial recollection.
Leta Peer deliberately circumvents some of the essential expectations one generally has of the medium of painting. She trusts the landscape, which exists unvaryingly and beyond the sphere of human intervention, and yet depicts it as a fragile ideal. Time might be absent yet it always finds its way into the paintings - in the daily routines, the lighting, and the weather conditions.
The photographs, on the other hand, are characterised by a rigid objectivity; they generally show time-worn interiors which have been abandoned but which, with their furnishings, still hint at the former occupants. Over the years Leta Peer has intensified the relationship between the artistic media and used digital processing to incorporate individual paintings in the rooms, inserted in an elaborate, at times antiquated frame, as if they had always been there. Leta Peer has hung the painting itself (with is own sensuality and presence) in the exhibition space as a complementary installation. The separately autonomous works become a unity in which the different levels of artificiality and naturalness examine and penetrate each other and call one another into question.
This also applies to the latest group of works. The Chasa Jaura Museum of Local History in the Swiss village of Valchava, which shows contemporary art in a historical Engadin house, is the point of departure. Here we find the Münstertal valley with the Lü meadows. Whilst Leta Peer specifically chose the exterior space for her paintings, she initially did not consider the interior spaces, which she merely documented photographically during her stay. It was not until two years later that the two kinds of images, techniques, at times "worlds", came together for Leta Peer.
An example is the photographic work Flurs Index 2, in which she has integrated the painting Wiesen bei Lü GF Index 100- the meadows of Lü. It shows a small bedroom, austere and only furnished with the bare necessities, with a bed and a mirror on the uneven, whitewashed wall. The adornments on the items reveal traditional workmanship and witness the attachment to the native soil. The frame encloses the painted extract of the landscape; bars have been fitted into the frame, separating the painting into four transverse or longitudinal oblong sections.
The depiction in this space acts like an outlook into a different world, as direct as a window or a mirror: with a field in bloom, where violet and white flowers and grass grow tall, above them a clear grey-blue sky.
The view outside reflects back into the small chamber. The room itself is filled with life - colour, movement - which spreads to the interior (with its slightly wavy blanket or the intersecting beams of the edge of the bed). Memory and realisation, pausing and mental activity occur simultaneously.
With works of this kind, the expression of a conscious, systematic exploration, the Swiss artist Leta Peer accomplishes an enormous act of remembrance. Combining conceptual appraisal, craftsmanship, and her trust in the "simple" things in life she gives seemingly worn-out subjects a depth and a topicality and makes us more aware of them. In a haunting fashion, one unique in contemporary art, she gets to the bottom of those things which hold our world together.
(Dr. Thomas Hirsch
Herbert-Weisenburger-Stiftung, Rastatt/Germany)