Thomas Vinson

biography

born in Paris, 1970

2013-2014
Guest lecturer for sculpture, Justus-Liebig Universität, Gießen, Germany
1997-1999
Sculpture studies, class of Prof. George Smith, Rice University, Houston, USA
1994
Law degree Universitée Panthéon-Sorbonne, Paris, France

 

solo exhibitions

2016
“Progress“, Giesserei Blöcher, Biedenkopf
“ASISTEMATICA“, Theredoom, Madrid
2015
“Am Ende ohne Ende“, Foyer Uniklinikum Gießen
“NIESYSTEMATYCZNIE“, SH Studio, Warschau
“entres les lignes“, Galerie Wagner, Le Touquet
“Relief“ mit Karin Radoy, Galerie Spielvogel, München
2014
“over and over“, Galerie Kim Behm, Frankfurt
2013
“mullion“, Moltkerei Werkstatt, Köln
“new order“, Galerie Wenger, Zürich
2012
“OLYMPICINSTALLATION“, Hotel Olympic, München
2011
“structures“, Fabrikculture, Hégenheim (F)
2010
“Farbforschung exemplarisch: Siegfried Rösch“, Universitätsbibliothek Gießen
2009
“on line”, Espace de l’Art Concret, Mouans-­Sartoux (F)
2008
“Installation for Winterthur“, Kunstkasten, Winterthur
2007
“Color / Construct“ mit John Zurier, Wade Wilson Art, Houston, USA

 


group exhibitions

2016
“47. Art Basel”, Atelier Editions Fanal
“Christian Buchloh, Armin Turk und Thomas Vinson”, Verein für aktuelle Kunst, Oberhausen
2015
„Papier/Paper V“, Clement & Schneider, Bonn
„ALLE“, Galerie Wenger, Zürich
“An der Rändern der Zeichnung”, KiZ, Gießen
“46. Art Basel”, Atelier Editions Fanal
“FORM”, Heyne Fabrik, Offenbach
2014
“Drawing Now Paris”, Galerie Wenger, Zürich
“45. Art Basel”, Atelier Editions Fanal
“À corps perdu”, Espace de l’Art Concret, Mouans-­Sartoux
2011
“Incidents maîtrisés“, Espace de l’Art Concret, Mouans-­Sartoux
2010
“Le jour se lève encore“, Tinderbox Contemporary, Hamburg
2009
“Vértice”,Galeria Millan, Sao Paulo
“Indisciplines”, Festival d’Art Contemporain dans la ville, Nice

Günter Fruhtrunk, Hans Jörg Glattfelder, Klaus Jörres, Thomas Vinson, Sebastian Wickeroth abstraction as an ageless approach 02.09.2016 — 15.10.2016

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Setzt man sich mit dem künstlerischen Werk von Thomas Vinson auseinander, so gilt es der Frage nachzuspüren, welcher Gattung und welcher Schwerpunktsetzung dieser Künstler in seinen Objekten, Skulpturen, Reliefs und Installationen nachspürt und wie sich die besondere Verhältnissetzung zwischen Fundobjekt und gestalteter künstlerischer Arbeit manifestiert. Je nach Ausstellungsort – Fabrikhallen, Museumsräume oder Galerie-Ensemble – wird zunächst der Eindruck vermittelt, dass hier Objekte und Materialien Einzug gehalten haben wie Baustoffe, Materialien aus der Architektur, Fundstücke und Serienprodukte, die nicht unmittelbar mit künstlerischer Arbeit zu verbinden sind.
Thomas Vinson nutzt die Materialien ohne dass sie eine eigene „Geschichte mit sich herumtragen“, also keinen Prozess ihrer eigenen Vergangenheit an sich tragen wie Spuren der Benutzung oder einer zeitlichen Veränderung. Die Materialien selbst sind klar und „neutral“ bis zu dem Zeitpunkt, in dem sie durch ihre besondere Struktur in den Blick des Künstlers geraten und hier zu Objekten und Skulpturen verarbeitet werden. Aber genau in dem Maße in dem Thomas Vinson kein Künstler des „Objet trouvé“ ist, ist er auch kein Künstler des Minimalismus. Seine Kunstwerke sind nicht Bausteine einer seriellen Wiederholung, sondern alle seine Arbeiten beziehen gerade jeweils ihren Charakter aus der Differenzierung, Individualität und unterschiedlichen Gestaltung der einzelnen Partien.
Dabei geht Thomas Vinson im strengen Sinne vor wie ein Skulpteur, der seine Objekte nicht formt sondern sie skulptiert, das heißt schneidet und bearbeitet – hier indem er mit Säge oder Skalpell Schnitte in die Oberflächen einfräßt, wie ein Zeichner mit dem Bleistift eine Linie auf ein Blatt setzt. Diese Verknüpfung von Zeichnung und Skulptur ist denn auch ein wichtiges Erkennungskriterium in den Arbeiten von Thomas Vinson, bei denen wir die Linie als einen dreidimensionalen Einschnitt in eine Räumlichkeit erleben, die sich aber durch die Linearität der Bearbeitung durchaus aus der Dreidimensionalität wieder in die Zweidimensionalität zurückprojiziert.
Dies ist besonders sinnfällig bei den Objekten, die mit Schnitten und mit Aneinanderreihung von unterschiedlichen Partien arbeiten. Hier zeigt sich wie eine Vielzahl von Liniensetzungen entwickelt wird, die zum einen bewusst gesetzt sind und zum anderen durch das Aneinanderreihen von Blöcken entstehen, die an den Nahtstellen zwischen den einzelnen Objekten Lücken wahrnehmbar werden lassen, die mal breiter, mal schmaler sind und die in einer Korrespondenz zu dem bewusst gesetzten Linien und Schnitten stehen.
Die einzelnen Skulpturen und Objekte von Thomas Vinson sind oftmals eher klein und differenziert und finden dann in größeren Installationen, in denen sie wie in einem Archiv der Bildlichkeit aneinandergereiht werden, eine neue Qualität von Raumerfahrung und architekturhafter Gestaltung. Die Zusammenstellung dieser großen „Archivinstallationen“, die aus einer Vielzahl einzelner Objekte besteht, ist dann wiederum sehr individuell auf den Raum bezogen, in dem die Arbeiten präsentiert werden und können in einem späteren Abschnitt ihrer Präsentation durchaus variieren. Hier wird die einzelne skulpturale Gestaltung, das einzelne Objekt zu einem Modul innerhalb eines installativen Kontextes, in dem wiederum der Dialog und die Relation zwischen den einzelnen Objekten zu neuen durchaus auch zeichenund raumhaften Erfahrungen werden. Hier wird gleichsam eine Erweiterbarkeit in den Arbeiten von Thomas Vinson erfahrbar, die es denkbar
macht, dass jedes seiner Objekte letztlich ein Ausschnitt aus einer größeren Identität ist, die sich hier in einem Fragment, einem Stück, einem Teil des Großen und Ganzen manifestiert.
Dieser Aspekt hat sicher auch mit der Herangehensweise an viele verschiedene Themen zu tun mit denen sich Thomas Vinson in der Vergangenheit auseinandergesetzt hat, wie z.B. der großen Installation des Hotel Olympik in München, wo er wie ein Archivar oder „Archäologe“ Räume erschlossen hat, Objekte fotografiert hat, Oberflächen dokumentiert und archiviert hat und daraus neue Gestaltungen entwickelt hat, die quasi eine Erinnerung und eine Weiterentwicklung der erfahrenen Installation möglich gemacht haben.
Bei den Installationen und Ausstellungsgestaltungen von Thomas Vinson wird dann auch darüber hinaus deutlich, dass die Objekte und Skulpturen und die in die Dreidimensionalität erweiterten Zeichnungen sich im Material immer auch auf den Gesamtraum beziehen, und dass der Künstler hier zum Baumeister einer Architektur wird, in der sich die Objekte wie eigenständige Erweiterungen des Raumes in das Ambiente einfordern. Dabei ist die visuelle Erfahrung als „Gegenspieler“ der Skulpturen und Objekte allerdings nicht von einem konfrontativen Gegenüber bestimmt sondern die Skulpturen und Objekte durchdringen den Raum. Die Reliefobjekte sich unmittelbar als Erweiterung der Wandflächen definiert und öffnen den Raum ohne für sich ein Volumen einzufordern. Im Gegenzug dazu verhalten sich die groß angelegten plastischen Skulpturen, die Thomas Vinson oft aus Gittermaterialien oder anderen Stoffen gestaltet, die offen sind. Dies zeichnet den Künstler als Raumgestalter aus, dem es vor allen Dingen darum geht, das Verhältnis von Umraum und Objekt und Umraum und Betrachter ständig neu auszuloten und in ein harmonisches wenn auch diskursives Gleichgewicht zu bringen.
(Dr. Gabriele Uelsberg, Direktorin des LVR-Landesmuseums in Bonn)