Thoralf Knobloch

biography

1962
geboren in Bautzen, lebt und arbeitet in Berlin
1988–1994
Studium an der HfBK Dresden
2003
Vattenfall Europe Kunstpreis

solo exhibitions (selected)

2015
Bauordnung, Galerie Gebr. Lehmann, Berlin
Paintings, GAA Gallery, Wellfleet, USA
2013
„Hinterland“, Städtische Galerie, Dresden
2012
„Thoralf Knobloch:2012“, Janes Flach Galleri, Stockholm
„Im Abseits“, Kunstmuseum Dieselkraftwerk, Cottbus
2011
„Wegkreuz“, Wilkinson Gallery, London
2010
„Hold the Fort“, Galerie Gebr. Lehmann, Dresden
„Thoralf Knobloch“ (mit Irene Hofmann), Kunstverein, Bautzen
2009
„Thoralf Knobloch“, Tony Shafrazi Gallery, New York
„Essen, Trinken, Angeln“, Galerei Gebr. Lehmann, Berlin
2007
„Thoralf Knobloch“, Anthony Wilkinson Gallery, London
2006
„Die innere Sichheit“, Sondroni. Rey Gallery, Los Angeles
2005
„regional & saisonal“, Galerie Gebr. Lehmann, Dresden
2004
„Zweifel und Ruhe“, Anthony Wilkinson Gallery, London
2003
„Landpartie und Kuckucksruf“, Galerie Michael Neff, Franfurt a. M.
2002
„Streif- & Jagdzüge“, Galerie Gebr. Lehmann, Dresden

group exhibitions (selected, since 2007)

2015
Collateral Drawing 3, Rosalux, Berlin
2014
Architekt , Busdriver, Zwei Brücken – 20 Jahre Gesellschaft für moderne Kunst in Dresden, Lipsiusbau, Dresden
TOUCH, Galerie Hartwich, Sellin
Orte/Nicht-Orte, Schloss Holdenstedt, Uelzen
2013
Galerie Gebr. Lehmann, Dresden
„Dächer & Dachlandschaften“, Museum Kitzbühel
„25“, Galerie Gebr. Lehmann, Berlin
„Kalte Rinden-Seiten Erden“, Städtische Galerie Bissingen
2012
„North-East of Heaven“, Galerie Hartwich, Sellin auf Rügen
„Kunst aus der Sammlung des 21. Jahrhunderts“, DekaBank, Luxembourg
„geteilt – ungeteilt, Kunst in Deutschland von 1945–2010“, Staatliche Kunstsammlung, Galerie Neue Meister, Dresden
2011
„La Coleccion del CCA Andratx, 2001–2011“, Kunsthalle Andtratx, Mallcorca
„An Geschenken wachsen“, Kunstmuseum Dieselkraftwerk, Cottbus
„Es lebe die Malerei, Junge Kunst aus der Sammlung Essl“, Essl Museum, Klosterneuburg
„Nebenwege“, Kunstverein Bautzen
2010
„Spannungsbogen, Figur und Raum“, Kunstmuseum Dieslekarftwerk, Cottbus
„Das versprochene Land“, Staatliche Kunstsammlungen, Albertinum, Dresden
„Prallelle Schnittstelle“, Galerie Gebr. Lehmann, Dresden
„Koordinatensystem Kunst“, Neuer Sächsischer Kunstverein, Dresden
„Versschaukelt! Eine Kulturgeschichte“, Altonaer Museum, Hamburg
2009
„Defiance & Melancholy, German Painting“, City Art Museum Helsinki
„Germania Anno64“, Conduits-Gea Pliti, Milan
2008
„Blue Sky“, Galerie Gebr. Lehman, Dresden
„Living Landscapes, A Journey through German Art“, National Art Museum, Beijin
„Angelandet, die Sammlung im neuen Haus“, Kunstmuseum Dieselkarftwerk, Cottbus
2007
„Deutsche und Amerikanische Malerei“, Museum Frieder Burda, Baden-Baden, Germany

Goetz Diergarten, Thoralf Knobloch keep it simple 17.01.2014 — 08.03.2014

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Der Maler nimmt bestimmte Ausschnitte des Sichtbaren unter die Fittiche seines Interesses. Die Fotografie ist ihm dabei reines Aufzeichnungsvehikel zur praktischen Mitnahme von Gesehenem in die Ruhe seines Ateliers. Gerade die Arbeitsweise, Bildgegenstände zunächst fotografisch zu fixieren, die Ausbeute bereinigend zu optimieren und aus einigenMotiven letztendlich Malerei zu entwickeln,1 hat das Potenzial, unähnliche Dinge einander ähnlicher zumachen. Dies fällt einmal mehr dort auf, wo sich Thoralf Knobloch bekannten Zeichen wie Hinweis- und Verkehrsschildern zuwendet und diese lediglich der Farbe und Umrissform nach, jedoch ohne ihre Aufschriften, das heißt ohne ihren funktionalen Inhalt,malerisch wiedergibt. Auch andere Binnenstrukturen wie das Innere des kleinen Ruderboots verlieren sich gelegentlich unter seinen Händen. So bereinigt, erscheint alles klarer, einfacher, auch präziser als in der ungefilterten Realität. Der Pinsel desMalers hat dieMacht, optische und erzählerische Störelemente in die Verbannung außerhalb des Leinwandgevierts zu schicken.
Es fällt auf, dass er oft beschädigte oder zerstörte Objekte, Vergessenes oderWeggeworfenes darstellt. Gebäude sind behelfsmäßig und zusammengezimmert, wenn nicht gar verlassen und verwüstet, Natur- oder Landschaftsszenerien immer durch zivilisatorische Artefakte gestört, was einen etwaigen Anschein von Idylle bricht. Thoralf Knobloch scheint sein Auge bevorzugt dorthin zu wenden, wo man nach allgemeinem Konsens nichts Wertiges oder gar Sensationelles und Erhabenes erkennen kann. Er verschafft vermeintlichen Nebensachen und unspektakulären Orten prominente Bildwirkung. Er zeigt das Alltägliche, könnte man also meinen, doch nicht alle Szenerien sind beiläufig amRand der typischenWege des modernen Großstädters zu finden. Es gehören auch Blicke hinter die Fassaden dazu, in vermüllte Hinterhöfe, durch das Loch imZaun des verwilderten Grundstücks oder zwischen Bungalows winterlich verlassener Wochenendsiedlungen. Wir sehen Orte, an denen man für gewöhnlich vorbeischaut und wo sich demzufolge im heutigen Getriebe so etwas wie Stille konzentriert.
Beiläufigkeit und Stille sind Elemente, die an klassische künstlerische Fotografie aus den USA erinnern. Fotografen wie Walker Evans, Paul Strand, Robert Frank und William Eggleston verdanken wir ein fotografisches Stimmungsbild ihres Landes. Auch sie brachen aus den großen Städten auf, um Bilder des Lebens dort aufzunehmen, wo die Eindrücke sich weniger überschneiden und überlagern. Ihre Motive haben Gemeinsamkeiten mit denen von Thoralf Knobloch: In weiten Landschaften werden einzelne Gebäude, Fahrzeuge usw. oft fragmentiert und in ungewöhnlichen Ansichten ins Bild genommen. Stille und Konzentration durch Leere scheint hier über Zeit und Orte hinweg eine verbindende strategische Auffassung zu sein.
Strukturell scheint es Thoralf Knobloch mitunter darum zu gehen, wie weit man eine Darstellung reduzieren kann, ohne dass sie bei aller Klarheit desMotivs den Gegenstandsbezug verliert. Thoralf Knobloch malt kein Foto ab, er konstruiert es zeichnerisch auf der Leinwand nach, um auf dieser Grundlage zu malen. Seine Malerei unterscheidet sich vom Fotorealismus. An die Stelle detaillierter Oberflächenschilderungen setzt er koloristische Formulierungen.
(angelehnt an Johannes Schmidt, Jan. 2012)