Jaakko Heikkilae 19.01.2013 — 02.03.2013

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19.01.2013 — 02.03.2013

Ausstellung zum Photoweekend 2013

Jaakko Heikkilä

Er zählt in seiner Heimat zu den anerkannten Fotografen. In Deutschland ist der 56-jahrige finnische Fotograf noch zu entdecken.
Hätte er nicht rote Haare, man könnte ihn glatt übersehen, so dezent und auf eine ausgeruhte  Art bescheiden bewegt er sich zwischen seinen großformatigen Fotografien in der Stadtgalerie. Ingenieur ist er nicht geblieben. Fotografiert hatte er schon als Student für die Zeitung. Die Großstadt hat er dann in den Neunzigern verlassen, um seine Heimat im Norden wiederzufinden. Kukola heißt das Dorf am Fluss, wo seine Eltern und schon seine Großmutter herkamen. Falunrote Holzhäuser reihen sich da- und angeln, das tut hier eigentlich jeder. Drüber am anderen Ufer des Tornio, also auf der schwedischen Seite, lebt eine finnische Minderheit, die erst in jüngster Zeit selbstbewusster auftreten darf. Heikkilä widmete diesen Menschen, die einen für ihn seltsamen altfinnischen Dialekt sprechen, seine erste Fotoserie.
Und das war erst der Anfang. Seither hat sich Heikkilä in der Welt umgesehen. Sein dokumentarischer Blick gilt Menschen, die in Randzonen leben. Von Menschen, die im „Schatten der Machtkulturen“ leben, sagt die finnische Ausstellungskuratorin Riva Röminger-Czako, die mit seiner Arbeit sehr vertraut ist.

Viele Reisen hat Heikkilä seither unternommen. Im Gepäck eine Noblex- eine analoge Mittelforamt-Panoramakamera und eine zeitgenössiche Nikon- Digitalkamera. Die Bilder die Heikkilä von den Reisen mitbringt, sind Menschenbilder, die nur entstehen können, wenn der Fotograf auf Augenhöhe kommuniziert, wenn er nicht bloßlegt, nicht draufhält, sondern sich Vertrauen und Respekt erwirbt. Heikkilä bliebt meistens einen Monat lang. Fast immer lädt man ihn ein, denn er hat einen kleinen Zettel dabei der ihn als eine Art kulturellen Beobachter ausweist.

„Probleme“ sagt er, „habe ich eigentlich nie, nicht in Serbien, nicht in Armenien, auch nicht in Russland“. Nur die New Yorker im Harlem seien so misstrauisch gewesen, dass er fast aufgegeben hätte. Sanftmut paart sich bei Heikkilä mit einer traumwandlerischen Sicherheit des Handwerklichen. Licht, Komposition und das geduldige Warten auf den Moment, der bei ihm zuweilen schon etwas länger dauern kann, gehen da zusammen. Die Botschaft die von diesen Gesichtern und ihren Lebensräumen ausgeht, ist einfach und zutiefst human.
Maren Kruse

Karen Irmer

"stills"

Karen Irmer führt uns mit ihren fotografischen und filmischen Arbeiten bis an die Grenze des Wahrnehmbaren. Sie reduziert ihre Bildmittel auf ein Minimum - soweit, dass wir unseren Sinnen nicht mehr trauen können. Mit einer klaren ästhetischen Sprache bricht sie Sehgewohnheiten subtil und einfühlsam. Ihre bildliche Zwischenwelt fasziniert mit Motiven, deren Präsenz so manches Mal nur noch als Spur wahrgenommen werden kann.

Neben den malerisch anmutenden Fotografien gibt es in der Ausstellung auch eine filmische Installation zu sehen. Schatten, die wir beim näheren Hinsehen als Vögel identifizieren, huschen über Flächen, die in Anordnung und Form die Fotowand über Oma's Sofa zitieren. Es entsteht eine neue Welt, die flüchtig und kaum greifbar am Betrachter vorbei fliegt.

Karen Irmer (*1974) absolvierte ihre künstlerische Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Sean Scully und Gerd Winner. 2005 erhielt sie das Studienstipendium des Else-Heiliger-Fonds der Konrad-Adenauer-Stiftung Berlin. Weitere Stipendien führten sie unter anderem nach Frankreich, Irland, Japan und Süd-Korea. Mit ihren Arbeiten ist sie international auf Messen und Ausstellungen vertreten.

Karen Irmers im letzten Jahr erschienener Katalog "Dämmern" gibt einen Überblick über die fotografischen Arbeiten der letzten 4 Jahre und stellt auch ihre neueren filmischen Arbeiten vor. Der einführende Text von Dr. Thomas Elsen, Leiter H2, Zentrum für Gegenwartskunst in Augsburg, sowie zwei weitere Textbeiträge von Thomas Wulffen und Dr. Birgit Sonna kommentieren das Werk der Künstlerin. Der Katalog ist beim Kehrer-Verlag erschienen und wurde für den deutschen Fotobuchpreis 2013 nominiert.