Günter Fruhtrunk, Hans Jörg Glattfelder, Klaus Jörres, Thomas Vinson, Sebastian Wickeroth abstraction as an ageless approach 02.09.2016 — 15.10.2016

26_07_2016_21_59_51_0011_mail_ret_red
02.09.2016 — 15.10.2016

Im Gleichklang der Alliteration des Ausstellungstitels abstraction as an ageless approach schwingt im Begriff der Abstraktion häufig eine schematische Vorstellung abstrakter Kunst mit: die immer wieder variierte Darstellung meist geometrischer Formen in einem reduzierten Farbspektrum. So betrachtet, bietet diese Ausstellung wenige Überraschungen.


Spannend wird es, das Wagnis einzugehen und tiefer in die Materie einzudringen. Die erste Erkenntnis muss sein, dass wir streng formal gesehen gar keine Abstraktion zeigen, es handelt sich vielmehr um konkrete und konstruktivistische Kunst. Während die Abstraktion noch von etwas Dinghaftem ausgeht, was bis zur Unkenntlichkeit vereinfacht wird, stellt die konkrete Kunst genau das dar, was man sieht: ein schwarzes Quadrat ist ein schwarzes Quadrat und keine Bildmetapher.


Eine zweite Erkenntnis könnte die sein, dass selbst unter den hier gezeigten konkret arbeitenden Künstlern unterschiedliche Herangehensweisen vorherrschen. Beispielhaft ist der Ansatz von Klaus Jörres mit dem von Thomas Vinson zu vergleichen. Jörres Leinwandarbeiten geht ein am Computer erstellter Entwurf voraus, was dem konstruktivistischen Gedanken sehr nahe kommt, das Bild müsse zuerst im Kopf bestehen und dann genau so auf den Bildträger übertragen werden. Vinson hingegen räumt dem verwendeten Material ein Mitspracherecht ein, sodass ein oberflächlicher Riss oder die Maserung des Ausgangsprodukts einen teils intuitiven Umgang fördert.


Gemein haben alle ausgestellten Künstler die analytische Klarheit und die reduzierte geometrische Formensprache. Dabei schwanken die Positionen zwischen Op-Art und Minimalismus, sie spielen mit unserer Wahrnehmung oder lassen uns Raum auf eine neue Weise begreifen, sie sind auf solch eine Weise akkurat ausgeführt, dass die Natur des Künstlers hinter die seines Werkes tritt, damit dieses autonom, ganz für sich stehen kann.


Die Auswahl der Künstler überbrückt bewusst eine größere Zeitspanne – von Günter Fruhtrunk bis Sebastian Wickeroth, Jahrgägnge 1923 und 1977 –, um anhand dieser Stichproben ein umfassenderes Bild vom Wandel und der Beständigkeit konkreter Positionen zu gewinnen.