Leta Peer Along with Simon 11.04.2008 — 07.06.2008

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11.04.2008 — 07.06.2008

Die Schweizer Künstlerin Leta Peer reflektiert in ihren Malereien und Fotoarbeiten das Verhältnis von Bild und Abbild, Vergegenwärtigung und Idealisierung. Mit wenigen Motiven und anhand subtiler Perspektivwechsel lotet sie Vorstellungen von Identität und Heimat aus und konfrontiert subjektive Erfahrung und objektivierende Maßnahmen.
Ausschließlicher Gegenstand ihrer Malerei seit 1999/2000 ist die Landschaft im Unterengadin, dort wo sie aufgewachsen ist. Leta Peer konzentriert sich auf zwei Sujets, auf die schroffen oder von Schnee umfassten Berggipfel mit ihren Bewölkungen sowie die grünen Felder mit Blüten und Blumen – per se Identifikationstopoi der Schweiz und gleichermaßen mit Idylle und Dramatik, Erzählung und Pathos belegt. Zwischen (identifizierbarem) Porträt und typologischer Erfassung wechseln die An- und Einsichten, zoomen Pflanzen heran und gehen auf überschauenden Abstand zu den Bergen. Sie behaupten körperliche, fast fotografische Präsenz und lösen sich (etwa im Fall der knallroten Blüten) augenblicklich wieder in das Zueinander von Pinselstrichen auf und bleiben, versehen mit einer glänzenden Firnis, künstliches, konstruiertes Gegenüber. Entstanden sind sie in langwieriger malerischer Zuwendung und besonnener Distanznahme.
Leta Peer liefert so das Panorama einer spezifischen Gegend, die sie aller Zivilisation entledigt und als unberührt und Zustand – frei von jeder zeitlichen Bedingtheit – schildert. Sie enthüllt, im Zusammenspiel von Licht, massiver Materialität und entstofflichter Atmosphäre, das Wesen dieser Landschaft. Ihre Malerei untersucht die Frage, inwieweit tradierte, kulturell und begrifflich besetzte Motive heute noch vorurteilsfrei und aktuell wahrgenommen werden können.


Die Auseinandersetzung mit ihren Motiven im Kontext der eigenen Herkunft führt Leta Peer weiterhin zu Fotoarbeiten. Ausgehend von temporären installativen Präsentationen (kleinformatiger) Malereien, die sie fotografisch dokumentiert hat, sind in den letzten Jahren autonome Fotoarbeiten entstanden, die mit digitalen Verfahren eigene Malereien in vorgefundene Situationen integrieren. Die jüngste dieser Bildfolgen steht nun im Zentrum der Ausstellung in der Galerie Ruth Leuchter in Düsseldorf. Die „Mirrors“ bestehen aus fünf mittelformatigen fotografischen Bildern, welche die autonomen Faktizitäten von Innenräumen, kostbaren Bilderrahmen und Malerei – die fünfteilige Serie „Along with Simon“ – als plausible Einheiten zeigen.
Gegeben sind Abbruchszenerien in einem vernutzten Raum. In jedem dieser Räume, die rohe Wände, Rohre, Gestelle und offene Durchgänge kennzeichnen, hängt ein geschwungener Rahmen, in den statt eines Spiegels eine Malerei von Leta Peer eingepasst ist. Die Malereien fangen die Straßen, Häuser, das landschaftliche Umfeld eines Dorfes ein, ganz unspektakulär und im Licht des Tages.
In dieser expliziten Künstlichkeit der Fotografie zwischen Realität und Erfindung erhält alles kompositorische wie auch inhaltliche Bedeutung. Das Zueinander von ruinöser Bescheidenheit, offensiver Präsenz und luxuriösem Moment berührt verschiedene Bereiche öffentlichen und privaten Lebens. Die Setzung eines Innenfeldes im Kontrast zum Außen appelliert an psychische Gestimmtheiten; angesprochen sind Gegenentwürfe. – Aber zu dieser Bildfolge liegt auch ein biographischer Zugang Leta Peers vor. Grundlage der Malereien sind Fotografien ihres verstorbenen Bruders, der die Strecke hin zu seinem Grab im Heimatdorf im Engadin auf diese Weise vorweggenommen hat.
Die Werke von Leta Peer ereignen sich stets aus der Spannung zwischen Privatheit, persönlicher Betroffenheit und allgemeiner visueller Gültigkeit. Mit den tradierten, vermeintlich konventionellen und zu unserer Gesellschaft (deren Flüchtigkeit, Geschwindigkeit, Moden, Codes) gegenläufigen Sujets und unter Einsatz des „klassischen“ Mediums Malerei liefert Leta Peer künstlerische Beiträge von großer Intensität in heutiger Zeit. (th)


Leta Peer wurde 1964 in Winterthur geboren, sie hat in Basel studiert. Seit 1994 wird sie kontinuierlich zu Ausstellungen in Galerien, Kunstvereinen und Museen eingeladen. Nach 2005 ist dies die zweite Einzelausstellung in der Galerie Ruth Leuchter.