Indra. echos in the staircase 11.03.2016 — 13.05.2016

Exhibition View  INDRA  echos in the staircase
11.03.2016 — 13.05.2016

Indra.
Echos in the Staircase
11.03.–13.05.2016


Collagen aus Farbwolken, angedeuteten Raumstrukturen und heimischen Bewohnern des Waldes sowie exotischem Getier erzählen unbekannte Geschichten mit ungeklärtem Ausgang. Neben die Vielfalt der Farbmaterialien wie Acryllacke, Permanentmarker oder Ölfarbe tritt eine Versammlung von Bildern aus digitaler und analoger Recherche, die sich in eklektischer Virtuosität vereinen. Zwar wirken die Szenen gemessen an lebensweltlichen Erfahrungen unwahrscheinlich, doch begleitet die inhaltliche und formale Bildfindung das Prinzip der Potenzialität, also der Möglichkeit, die zur Realität werden kann. So treffen in den Bildern der Künstlerin Indra. Dinge und Wesen aufeinander, die in ihrer jeweiligen Kombination einer modernen Fabel gleichen. Sie erinnern den westlichen Betrachter leicht an Vorbilder aus Symbolismus oder Surrealismus, doch entstammt die Inspiration wohl eher einem fernöstlichen Quell.
Diese Quelle liegt in Japan und lässt sich exemplarisch an der traditionellen Gedichtform des Haiku erläutern: Sie ist auf drei kurze Zeilen beschränkt und fasst ebenso knapp Konkretes und Gegenwärtiges zusammen; sie ist nicht abgeschlossen sondern bewusst offen gehalten, um sich im Erleben des Lesers zu vervollständigen; sie liefert Eckpfeiler, an denen sich die Phantasie der Rezipienten entzünden kann. Auch im Werk von Indra. tauchen diese bewusst gesetzten Leerstellen auf, die am offensichtlichsten in den auf Schemen reduzierten Architektur- und Raumlinien in Erscheinung treten. Körperlichkeit und Stofflichkeit werden auch von den flächigen Farbgründen verweigert und manifestieren sich dem kompositorisch entgegengesetzt lediglich in den tierischen, pflanzlichen oder dinglichen Protagonisten. Ihr gemeinsamer Dialog und der darin aufgespannte Möglichkeitsraum konstituieren das Geschehen, die Phantasie des Betrachters vervollständigt das Bild.
Die verschiedenen Realitätsebenen liegen in einer Sphäre bar jeder linearen Zeitlichkeit. Sie zerfließen in einem Wirbelstrom von Bewusstsein und Perspektive und münden in einem ephemeren Traumzustand. Indra. arbeitet weniger mit vollständigen Erzählungen als mit zeichenhaften Assoziationen und erschafft damit fiktive Wahrheiten, in denen sich Poesie und Humor im bildnerischen Detail offenbaren. Ihre Malerei deutet mehr an als sie ausführt, wirkt flüchtig wie Tagträume und erscheint als Augenblicke ohne Dauer und ohne Ende.


Harry Kim


Die Arbeiten der südkoreanischen Künstlerin Harry Kim sind inspiriert von Kindheitserinnerungen sowie Anschauungen und Erfahrungen ihres Alltags. Die vom 11.03.–13.05.2016 gezeigten Werke entstanden allesamt nach 2013, dem Jahr ihres Eintritts in die Düsseldorfer Kunstakademie, und so erscheint es nicht ungewöhnlich, dass auch Assoziationen an Schauplätze der Landeshauptstadt entstehen. Dabei sind es keine eindeutigen Abbilder, da Harry Kim in ihren scheinbar naiven Bildkompositionen Phantasie und Wirklichkeit verschmelzen lässt, um interessante Szenen zu erschaffen, die an Traumwelten erinnern sollen.