Illusionen 08.04.2011 — 14.05.2011

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08.04.2011 — 14.05.2011
"Mich faszinerte schon immer die Illusion von Räumlichkeit auf einer Fläche. In meinem Frühwerk untersuchte ich die in der frühen Renaissance entwickelte mathematische Perspektive. Der Ausgangspunkt der Zentralperspektive ist ein statischer Fluchtpunkt, der vielleicht überzeugend wirkt, aber der wirklichen Art des Sehens Abbruch tut: Das Auge sucht, vergleicht und tastet auf diese Weise die sichtbare Welt ab. Zur Simulation dieses Umherschauens spannte ich Leinwand auf einen gebogenen, lang gestreckten Spannrahmen und kombinierte als Darstellung zwei Landschaften von Lorenzetti. In der darauf folgenden Reihe benutzte ich andere räumliche Konstruktionen, unter anderem Projektionen der Isometrie, Diagonal- und gelegenlich auch Wellenraster. Sie bildeten die Basis für architektonsiche Darstellungen und Spiele a la Escher mit Dreidimensionalität, wobei "Oben" und " Unten " miteinander im wechselseitigen Verhältnis stehen. Ebenfalls unterzog ich auch die Malmittel einer Untersuchung auf räumliche Qualitäten. So interessierte mich , wie ich die Rückseite eines Pinselstriches malen könnte.
In meinen neueren Arbeiten hat der Raum nicht mehr so eine stark perspektivische Ausrichtung. Die Dimensionen in meinem Bildern sind nur schwer exakt zu definieren. Ich konzentriere mich auf räumliche Entwürfe, inspiriert durch die Topologie-ein Zweig der Mathematik. Zum Beispiel die Flasche von Klein und das Möbiusband, bei beiden trifft man auf eine unendliche, geschlossene Oberfläche. Eine Fläche mit augenscheinlich zwei Seiten (Vorder- und Rückseite), die jedoch dieselbe Oberfläche bilden, wobei vorne, hinten, oben und unten untrennbar ineinander überfließen.
Für mich repräsentieren diese "unmöglichen" Figuren spezielle Räume, Denkräume. Räume, in denen man sich, außer mit dem Auge, auch mental ins Unendliche verlieren kann. Es sind Räume, die den Betrachter in sich aufnehmen. Undefinierte, virtuelle Räume, in denen man gewichtslos schwebt und treibt wie in einem Bad voller Schaum. Das erzeugt eine Gefühlssensation der Glückseligkeit.
Meine neuen Werke erreichen in der Ausführung einen Perfektionsgrad, bei dem man annehmen könnte, sie seien industriell hergestellt oder von avancierten Druckern abgedruckt worden. Es gibt keinen Pinselstrich kaum Textur, keine sichtbare Bearbeitung. Trotzdem ist das Malen für mich essenziell. Beim Arbeiten am Bildschirm benutzt man, außer dem Gehirn natürlich, nur die Augen. Beim Malen - speziell auf Großformaten-spielen jedoch das körperliche Verhältnis zum Bild und die körperliche Arbeit eine wichtige Rolle, Den Computer benutze ich nur als Werkzeug, beispielsweise zwischendurch zur Erstellung von Farbproben; nicht jedoch als Entwurfsmedium. Ich strebe nach Klarheit in der Ausführung: Die räumliche Darstellung ist schon komplex genug, sodass "Malerisches " das Bild nur eintrüben, schlammig und undruchsichtig machen würde."


(Ab van Hanegem in einem Interview, bearbeitet von Marja Bosma, Übersetzung: Andrea Fuchs)