Lothar Wolleh 03.02.2017 — 18.03.2017

Photo : Lothar Wolleh, © Oliver Wolleh, Berlin
03.02.2017 — 18.03.2017

Portraits international bekannter Künstler

LOTHAR WOLLEH – PORTRAITS INTERNATIONAL BEKANNTER KÜNSTLER       3. Februar – 13. März 2017

Eröffnung: Freitag, 3. Februar 2017, 18-21 Uhr

Artist-Talk: Samstag, 4. Februar 2017, 17 Uhr

Öffnungszeiten: während des Photoweekends

Freitag    3.2. 18.00 - 21.00 h
Samstag 4.2. 12.00 - 20.00 h
Sonntag  5.2. 12.00 - 18.00 h


Pressetext

Im Rahmen des Duesseldorfer Photo Weekend 2017 präsentiert die Galerie Ruth Leuchter vom 3. Februar bis zum 18. März 2017 Portraits international bekannter Künstler von Lothar Wolleh (1930–1979). Erstmals seit 1980 sind damit wieder Arbeiten des Fotografen in Düsseldorf zu sehen.


Gezeigt werden 50 Bilder aus dem Werk Lothar Wollehs. Highlights sind u. a. ein Block mit 16 Arbeiten über die kaum dokumentierte Beuys Aktion „Filz-TV“ und einige selten gezeigte Porträts von Man Ray und René Magritte, die kurz vor dessen Tod entstanden. Kuratiert wird die Ausstellung von Dr. Oliver Wolleh, dem Sohn und Nachlassverwalter des Fotografen, in Zusammenarbeit mit Ruth Leuchter.

Wolleh gilt als Chronist der Düsseldorfer Kunstszene der 1960er- und 1970er-Jahre. Auf Anregung seines Freundes Günther Uecker arbeitete er seit 1967 an einem Atlas der zeitgenössischen Künstlerszene. Frei, aus eigenem Antrieb und ohne Auftrag, fotografierte er zunächst die mit ihm bekannten Künstler des Düsseldorfer Kunstbetriebs, darunter u. a. Uecker selbst, Joseph Beuys, Heinz Mack, Otto Piene und Gerhard Richter, bevor er die Grenzen des Rheinlands hinter sich ließ und sein Projekt auf ganz Europa ausdehnte. Mehr als 100 Maler, Bildhauer und Aktionskünstler setzte Wolleh in Szene, bis das Vorhaben 1979 mit seinem plötzlichen und frühen Tod abrupt endete. Entstanden waren bis dahin Aufnahmen von Georg Baselitz, Joseph Beuys, Lucio Fontana, René Magritte, Henry Moore, Man Ray und vielen weiteren.

Ab 1962 lebte und arbeitete der gebürtige Berliner Wolleh in Düsseldorf. Als Freelancer der renommierten Düsseldorfer Agentur TEAM machte er sich schnell einen Namen in der Werbefotografie und avancierte mit Kampagnen u. a. für die Deutsche Bahn und Volkswagen zu einem der bestbezahlten Fotografen der Bundesrepublik. 1965 porträtierte er Ludwig Erhard für die Kampagne zur Bundestagswahl, bevor er sich weitgehend aus der kommerziellen Fotografie zurückzog, um sich ganz seinen eigenen Projekten zu widmen. Die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Künstlern bestimmten seit dieser Zeit seine Arbeit, in der Folge entstanden zahlreiche Künstlerbücher und Editionen, aber auch Reportagen wie „Das Konzil“ über das II. Vatikanische Konzil (1965) oder der Bildband „UdSSR – Der Sowjetstaat und seine Menschen“ (1970).

Sowohl die Erfahrungen als Werbefotograf als auch die „subjektive fotografie“ seines Lehrers Otto Steinert an der Folkwangschule Essen führten zu Wollehs unverwechselbarer Handschrift. Das stets quadratische Bildformat, den integrierten schwarzen Negativrand und den Verzicht auf Blitzlicht inklusive der daraus resultierenden Bewegungsunschärfe machte Wolleh zu seinem Markenzeichen. Fast ausnahmslos arbeitete er in Schwarz-Weiß. Präzise konzipierte und inszenierte er seine Arbeiten, um einen sachlichen, authentischen Wirklichkeitsausschnitt zu erreichen.

Jeder Aufnahme ging eine intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Künstler und dessen Werk voraus. Wolleh versuchte, so Uecker, „in das künstlerische Werk jedes einzelnen, dem er sich zuwandte, einzudringen, es sich vorstellbar zu machen, es zu neuen Extremen zu führen“1. So fotografierte er die Künstler umgeben von ihren Arbeiten und integrierte doch seine ganz eigenen Ideen in das Portrait. In dem in der Ausstellung gezeigten dreiteiligen Portrait von Gerhard Richter wird der Maler selbst durch die von Wolleh gewählte lange Verschlusszeit Teil der eigenen Arbeit, er verschmilzt förmlich mit seiner großformatigen Leinwand.

Die entstandenen Charakterstudien mit ihrem klaren und oftmals streng symmetrischen Bildaufbau sind Kunst und Dokumentation gleichermaßen und zeugen zudem von einer Freundschaft auf Augenhöhe zwischen den Künstlern und ihrem selbstbewussten Fotografen. „Wolleh besaß die unheimliche Fähigkeit, Dingzusammenhänge wahrzunehmen. Er war, mit großer Intuition ausgestattet, eine Art Schatzsucher“, sollte Beuys später urteilen. Zwei Mal ließ er sich von Wolleh bei der Arbeit begleiten, Teile beider Serien sind in der Ausstellung zu sehen.

Die 16 Bilder, die Beuys 1970 bei seiner Aktion „Filz-TV“ zeigen, lassen den Betrachter auch heute noch an der Aktion teilhaben. Sie sind – abgesehen von Gerry Schums Video-Dokumentation – die einzigen Aufnahmen der Aktion überhaupt.

Um den Aufbau von Beuys erster Auslandsausstellung im Moderna Museet festzuhalten, reiste Wolleh 1971 ohne Auftrag und auf eigene Kosten nach Stockholm. Vor Ort installierte er seine Hasselblad-Kamera und dokumentierte den Prozess in regelmäßigem Abstand per Selbstauslöser. 51 der so entstandenen Bilder wollten Beuys und Wolleh ein Jahr später gemeinsam im „Unterwasserbuch“ publizieren. Doch die geplante Auflage von zweihundert Exemplaren der wasserfesten Edition kam nie zustande; Wolleh stoppte die Produktion, weil durch die Bindung der für seine Bilder typische schwarze Rahmen beschnitten worden wäre. Als „3-Tonnen-Edition“ kamen die von Beuys bearbeiteten einzelnen Kunststoff-Folien der Publikation später in den Handel.

Am Samstag, den 4. Februar 2017 um 17 Uhr findet im Rahmen der Ausstellung ein Gespräch statt mit Dr. Oliver Wolleh und Christian Megert, Künstler und Zeitgenosse Lothar Wollehs, moderiert von Gérard A. Goodrow, Autor, Kurator und Publizist aus Köln.

 

Lothar Wolleh (1930 – 1979)

Er war Schüler von Otto Steinert an der Folkwangschule in Essen und seitdem der Avantgarde eng verbunden. Lothar Wolleh lebte und arbeitete ab 1962 in Düsseldorf und avancierte zu einem der bekanntesten Porträt-fotografen. Er begann systematisch insgesamt über 100 international bekannte Künstler zu fotografieren, in der er zunächst die ihm bekannten Künstler der Düsseldorfer-Szene portraitierte, darunter Heinz Mack, Otto Piene, Joseph Beuys und Gerhard Richter.

Nach seinem frühen Tod geriet das Werk und das Wirken Wollehs zunächst in Vergessenheit. Sein Sohn Oliver Wolleh übernahm die Erschließung des Nachlasses und initiierte bedeutende Ausstellungen und Publikationen.

Wollehs Reportagen öffneten sich weit über die Welt der Kunst hinaus, auch in den wirtschaftlichen und in den klerikalen Raum.

 

Lothar Wolleh (1930 – 1979)

He was a student of Otto Steinert at the Folkwangschule in Essen.
Since then, he was strongly linked with the avant-garde.

From 1962, Lothar Wolleh lived and worked in Düsseldorf and
advanced to one of the most renowned portrait photographers.

He systematically started to take pictures of over 100 internationally known artists, beginning with the artists of his acquaintance in the Düsseldorf scene, among them Heinz Mack, Otto Piene, Joseph Beuys,
and Gerhard Richter.

After his early death, Wolleh‘s work and creative activities initially fell into oblivion. His son Oliver Wolleh took care of the administration of the estate
and initiated important exhibitions and publications.

Wolleh‘s reports have gone far beyond the universe of art and have reached also the business and ecclesiastical world.