Alain Biltereyst, Clemens Hollerer, Alfonso Hüppi, Bert van Rossem rhythm of line 22.05.2015 — 18.07.2015

Ausstellung rhythm of line 1
22.05.2015 — 18.07.2015

ALFONSO HÜPPI


Die Verlorenheit, die wir inmitten der heutigen Bilderflut empfinden, möchte Alfonso Hüppi bannen, indem er Zeichen und Objekte herstellt, die den Blick fokussieren und „in denen man sich wiedererkennen kann“.
„Wann wird ein Bild zum Bild?“ Dieser Frage spürt der elementar arbeitende und denkende Künstler Hüppi von Beginn an nach. Die Bildfläche, der Bildträger und der Rahmen werden dabei oftmals selbst zu Anschauungsobjekten. So entstehen einzigartige Gemälde, Reliefs, Objekte und Installationen.
Auf den Tafeln, wie Hüppi seine Bilder ab 1988 nennt, dominieren Rauten, Kreisformen, Rechtecke und Dreiecke, die ohne einen persönlichen Pinselduktus auf ihre klaren Flächenformen reduziert sind.
Die Konstruktion von Holzreliefs beruht meist auf Austauschprozessen – also einem Herausschneiden und Hinzufügen von Material. Die Holztafel als Bildgrund bleibt dabei an einigen Stellen sichtbar, sodass ihre Materialität betont wird.
In der Malerei, die in den 80er Jahren bevorzugtes Medium wird, dominieren geometrische Formen. Hüppi erschafft daraus poetisch stille Kompositionen, untersucht die Wirkung der elementaren Formen und baut visuelle Spannungsverhältnisse auf. Die gemalten Formen greifen dabei oftmals über den begrenzenden Bildrahmen hinaus, verlassen so die „illusionistische Bildebene“ und entwickeln sich hin zu konkreten Objekten. Die Objekthaftigkeit der Kunstwerke wird dabei auch durch die Alltäglichkeit der gewählten Materialien betont (Holzbretter, Kaseinfarbe, Silberbronze, Papier).


ALAIN BILTEREYST


Ein Ziel im Konzept von Alain Biltereyst liegt darin, seine Arbeiten so "einfach und poetisch wie möglich" zu gestalten. Einflüsse aus der Welt der Kunst - etwa der „Hard-Edge-Malerei“ oder der geometrischen Abstraktion der 1960er Jahre - sind noch spürbar.


Doch viel mehr zeigt sich der Künstler von der Lebendigkeit und der Prägnanz jener Zeichen und Logos fasziniert, die uns täglich im öffentlichen Raum, auf Firmenschildern, Werbeplakaten oder Fahrzeugen begegnen.
Ein flächiges Design, das der belgische Künstler auf einem LKW entdeckt, kann dann zum Zünder für ein minimalistisches Meisterstück werden. Biltereyst löst die Design-Elemente aus ihren funktionalen Zusammenhängen heraus und formt aus ihrer Essenz ein spannungsreiches Werk. Die malerische Behandlung der grafischen Elemente zeigt dabei Farbspuren und kleine Ungenauigkeiten – und das ist durchaus beabsichtigt: So wird deutlich, dass hier alles handgemacht ist. Industriell Gefertigtes wird umgedeutet und veredelt - und im Freiraum der Kunst recycelt.
Darüber hinaus werden in den meist kleinformatigen, dezenten Gemälden die Grenzen zwischen Kunst und Design, zwischen Kultur und Subkultur aufgehoben oder zumindest in Frage gestellt.


CLEMENS HOLLERER


Die zerbrochenen Ordnungen, die man auf Baustellen vorfindet, ziehen Clemens Hollerer magisch an.
Absperrungen, Bauzäune, Blockaden und Umleitungen im öffentlichen Bereich hat der Künstler als Inspirationsquellen für seine wuchernden Rauminstallationen entdeckt.


Die Baustelle scheint für Hollerer aber nicht nur ein Ideenfundort zu sein. Sie bietet sich auch als Symbol der Veränderung, als Metapher für die Wandelbarkeit einer Stadt oder für die Umbrüche in der Gesellschaft an. Hier findet der Bildhauer verbotene, temporäre und provisorische Bereiche, die ihm Rohstoffe für seine außergewöhnlichen Arbeiten liefern.
Der 39-jährige Künstler erfindet und baut spannungsreiche Zustände und Orientierungssysteme – oder Desorientierungssysteme –, die dem jeweiligen Ausstellungsraum angepasst sind. Viele seiner irritierenden Werke entstehen unter Zeitdruck und in unmittelbarer Reaktion auf den Ort der Präsentation, und meist werden sie am Ende einer Schau abgebaut und recycelt.
Seine technischen Konstruktionen ähneln mitunter linearen Zeichnungen, die sich zauberhaft in den dreidimensionalen Raum verirrt haben. Hollerer nennt Blinky Palermo, wenn man ihn nach künstlerischen Vorbildern fragt. Er schätze vor allem dessen „konstruierte Ungenauigkeit“.


Der Künstler studierte zunächst Fotografie in Österreich. Bald bemerkte er jedoch, dass dieses Medium ihn zu sehr einschränkte.


BERT VAN ROSSEM


Das Pattern (Muster) ist ein Begriff, der im Sprachgebrauch von Musikern und Komponisten eine musikalische Form in Art einer rhythmisch wiederkehrenden Struktur bezeichnet. In der Malerei des belgischen Künstlers Bert van Rossem (Jahrgang 1953) bestimmen solche Muster – an musikalische Pattern erinnernde Strukturen – das Geschehen auf der Bildfläche.
Van Rossem schert sich dabei nicht um stilistische Grenzen, sondern er bedient sich mit großem Einfühlungsvermögen der formalen Mittel, die der jeweiligen Komposition angemessen sind.


Seine Formen und Farben, die in der Regel das gesamte Format füllen, bestehen aus ornamentalen Linien, die zu Labyrinthen verdichtet sind, aus geometrischen Puzzlestücken, die sich zu einer räumlichen Wirkung entfalten oder aus Seifenblasen ähnlichen Gebilden, die an wuchernde Mikro-Organismen erinnern.
Die stilistische Bandbreite reicht hier vom Minimalismus über die Wahrnehmungsfallen der Op Art bis hin zur Reizüberflutung der Psychedelischen Kunst.


Jedes Gemälde von Bert van Rossem scheint für sich zu stehen. Der Künstler arbeitet offenbar nicht in Serien, sondern er beginnt wagemutig immer wieder neu. Die Freiheit des schöpferischen Prozesses, der sich im Bild pulsierend und organisch entfaltet, steht sichtbar im Vordergrund.
Und so entstehen Werke, die tatsächlich viel mit Musik gemeinsam haben - rhythmisch, lebendig und inspirierend: Rhythm of line.